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CORONAVIRUS Maßnahmen!

Wegen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus (Lockdown) müssen wir zwischen Dienstag, den 17.11.2020 bis inklusive Sonntag, 06.12.2020 die Alphabetisierungs- und Deutschkurse, Informations- und Gruppenveranstaltungen und persönlichen Beratungsgespräche einschränken.

Beratung (Familienberatungsstelle,Frauenservicestelle ) und Psychotherapie:

MO–FR von 09–19.00 Uhr (telefonisch, per Mail) erreichbar!

Psychotherapie  und Psychotherapie-Erstinformation unter folgender Telefonnummer: 0660/6056906 (nach Terminvereinbarung, online auch möglich)

Beratungen  unter folgender Telefonnummer: 0699/10763985  (nach Terminvereinbarung, online auch möglich)

In besonderen Krisenfällen können wir jedoch gegen telefonische Voranmeldung und nach Vorabklärung des Falles weiterhin die Möglichkeit der persönlichen Beratung unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen anbieten.

Frauenservicestelle:

Die Gesprächsgruppe ist, sobald es gesetzlich wieder erlaubt ist, möglich.

In dringenden Fällen ist unter den vorgesehenen Schutzmaßnahmen persönliche Beratung möglich!

Hort:

Sollte aufgrund beruflicher Tätigkeit die Betreuung Ihres Kindes nicht möglich sein, kann Ihr Kind im Hort betreut werden.

Solange ein normaler Hortbetrieb nicht möglich ist, bieten wir über Skype auch die Möglichkeit von Fernunterricht an.

Für weitere Fragen können sie uns unter folgender Nummer kontaktieren: 0699/19086503

Wir bitten Sie um Verständnis für diese besondere Situation und hoffen, Sie bald wieder bei uns begrüßen zu können.

Kl20

Auch heuer wieder „Klappe auf!“

Im Rahmen der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen hat Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim auch heuer wieder ein zum

KLAPPE AUF!
Online Trickfilmabende

Termin: Mi, 25.11.2020 – Do, 10.12.2020

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Programm:

Dieses Jahr werden sechs Trickfilme zum Thema Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* im Kontext von „Care-Arbeit“ gezeigt. Care-Arbeit bedeutet die unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit für Menschen, die weltweit zum Großteil von (migrantischen) Frauen verrichtet wird – sei es in der Pflege, der Kinderbetreuung, Versorgung oder Reinigung. Wie Sorgearbeit getan, wertgeschätzt und entlohnt wird, macht einen großen Unterschied. Die Organisationen von „Klappe auf!“ setzen sich dafür ein, dass Menschen, die Sorgearbeit tun oder brauchen, gewaltfreie und faire Rahmenbedingungen erhalten. „Klappe auf!“ ist ein Beitrag zur weltweiten Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ https://www.aoef.at/index.php/16-tage-gegen-gewalt.

Folgende Trickfilme, die ausschließlich von Frauen erarbeitet wurden, könnt ihr hier Anschauen ? tricky women https://www.trickywomen.at/de/klappe-auf-16-tage-gegen-gewalt-frauen-und-m%C3%A4dchen

Zu jedem Film findet ihr auch Reflexionsfragen, falls ihr die Filme mit anderen diskutieren wollt!

Klappe auf! Intro (Claudia Dal-Bianco, ab 26.11. bis 7.12.2020)

THE BIGGER PICTURE (Daisy Jacobs, UK 2014, 07’05)

Do. 26.11. (10:00) bis Sa. 28.11.2020 (10:00)

Der Film erzählt anhand lebensgroßer, animierter Figuren die Geschichte zweier Brüder und ihrer alternden Mutter. Die Brüder übernehmen sehr unterschiedliche Rollen in der Betreuung ihrer Mutter. Oscar®-Nominierung 2015.

Reflexionsfragen: In diesem Film übernimmt ein Mann die pflegende Rolle. Wie ist das in deinem Umfeld? Wie kann ein fürsorgliches Männlichkeitsbild gestärkt werden?

TILLVÄXTSJUKAN | RADICALIZED (Klara Swantesson, SWE 2006, 8’00)

Sa. 28.11. (10:00) bis Mo. 30.11.2020 (10:00)

3 Jahre hat sich Ulla-Britt als Lehrerin um unzählige Kinder, ihren Lernfortschritt und ihre Sorgen gekümmert, nun ist sie müde – Diagnose „Burnout“. Eine radikale Wende ist notwendig.

Reflexionsfragen: Welche Wertschätzung erfahren soziale und pädagogische Berufe in der Gesellschaft? Welche Rahmenbedingungen bräuchten Menschen in diesen Berufen?

LA PLONGEUSE | THE DIVER (Iulia Voitova, FRA 2018, 4’09)

Mo. 30.11. (10:00) bis Mi. 2.12.2020 (10:00)

Eine professionelle Turmspringerin wird von ihrem Trainingsprogramm und ihrem Trainer bestimmt bis zu große Erschöpfung – oder doch Widerstand? – in ihr aufkommt; ist der Masseur eine wirkliche Hilfe?

Reflexionsfragen: Was löst das Bild „Training“ bei mir aus? Was können Frauen dem Gefühl des „Funktionieren-Müssens“ entgegensetzen?

IN HER BOOTS (Kathrin Steinbacher, AT 2019, 6’02)

Mi. 2.12. (10:00) bis Sa. 5.12.2020 (10:00)

Hedi denkt und handelt nicht so logisch wie früher, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr selbständig unterwegs sein kann. Die Wanderschuhe können noch so alt sein, sie gehören Hedi und sie kann sie tragen solange sie möchte. (BAFTA-nominierter Film)

Reflexionsfragen: Wie sehr betrachtest du deine Mutter, Oma oder Nachbarin als selbstbestimmte Frau*? Wo verschwimmen Selbstbestimmung und notwendige Intervention und Hilfe? Was bedeutet selbstbestimmte Betreuung?

FREAKS OF NURTURE (Alexandra Lemay, CAN 2018, 6’28)

Sa. 5.12. (10:00) bis So. 6.12.2020 (10:00)

Alleinerziehende Mutter, Pflegemutter und Hundezüchterin – für alle da sein, ist eine große Aufgabe, die finanziell nicht besonders reich macht und irgendjemand bleibt dabei auf der Strecke.

Reflexionsfragen: Zahlreiche Frauen* haben Doppel- und Dreifachbelastungen. Was ist auf einer politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Ebene notwendig, um dem entgegen zu wirken?

NADIRAH: COAL WOMAN (Kate Jessop, UK 2019, 2’23, Negar Elodie Behzadi/writer/producer)

Österreich-Premiere

So. 6.12. (10:00) bis Mo. 7.12.2020 (10:00)

Im Fann-Gebirge in Tadschikistan gilt die Arbeit der Bergarbeiterinnen als „ayb“ – beschämend. Der Film erzählt die Geschichte einer Bergarbeiterin, die sich von den schlechten Rahmenbedingungen nicht ihre eigene Würde rauben lässt.

Reflexionsfragen: Welche Arbeiten werden in deinem Umfeld als beschämend für Frauen* oder für Männer* angesehen? Welche Geschlechter-Rollen liegen dem zu Grunde? Was stärkt Betroffene Rollenzuschreibungen entgegenzutreten?

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„Klappe auf!“ ist eine Kooperation zwischen AÖF – Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, Frauenhelpline 0800 222 555, CARE Österreich, Frauen*solidarität, LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen*, kfb – Katholische Frauenbewegung Österreich, Miteinander Lernen / Birlikte Öğrenelim, VIDC / Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit und WIDE / Entwicklungspolitisches Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven. Der Trickfilmabend von „Klappe auf!“ ist eine Kooperation mit dem Animationsfilmfestival „Tricky Women“ und „Cinemarkt“ (einer Kooperation von St. Balbach Arts Produktion und der Brunnenpassage).

Basisbildung in Zeiten von Corona umsetzen

08.05.2020, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Wie Basisbildung derzeit im virtuellen Raum stattfindet und wie herausfordernd das ist, erzählt Basisbildnerin Gerhild Ganglbauer im ausführlichen Interview.

Bildung digital gestalten – das haben viele Bildungsanbieter in den letzten Wochen umgesetzt, auch in der Basisbildung. Wie das funktioniert und welche Herausforderungen damit einhergehen, erzählt Gerhild Ganglbauer vom AlfaZentrum für MigrantInnen (VHS Wien), die auch als Basisbildnerin in einer NGO arbeitet.

Lucia Paar: Wie gelang es in den letzten Wochen mit den Teilnehmenden Kontakt zu halten und einen Kursabbruch zu verhindern?

Gerhild Ganglbauer: Im Team gab es bereits früh die Entscheidung, die Lernangebote in digitaler Form weiter zu führen, so konnten wir das vor der Schließung kommunizieren, aber meist nicht mehr persönlich. Anfänglich gab es bei einigen wenigen Teilnehmer*innen das Missverständnis, dass es sich um eine Kurspause handeln würde. Deshalb haben nicht alle Lernenden, aber fast alle, die digitalen Lernangebote wahrgenommen. Das Wichtigste war und ist, den Kontakt mit den Teilnehmer*innen weiter aufrecht zu erhalten – jenseits von Aufgaben.

Wie funktioniert Basisbildung in Zeiten von Corona?

Die Frage, für alle Basisbildungsangebote zu beantworten ist sicherlich unmöglich, weil die Bandbreite an Angeboten und Adressat*innen so vielfältig ist. Basisbildung ist – so unser Eindruck – großteils digital gegangen, auch in den Angeboten für Lese- und Schreibanfängerinnen. Wir wissen aber auch von Anbieter*innen, die ganze Arbeitspakete in Papierform per Post an ihre Teilnehmer*innen verschicken. Viele Anbieter*innen konnten in ihren Kursgruppen auf schon bestehende Instant-Messaging-Dienste zurückgreifen und damit das Verschicken von Aufgaben bewerkstelligen.

Auf welche Herausforderungen stoßen Sie dabei?

Die größte Schwierigkeit und zugleich Voraussetzung für die digitalen Angebote ist die „Ent-körperlichung“ des gesamten Lernangebots. Digitale Angebote sind in ihrer Vermittlungsmöglichkeit eingeschränkt und anstelle von dialogischen Lehr-und Lernmöglichkeiten ist die digitale Aufgabenvermittlung getreten, die doch wesentlich direktiv funktioniert. Die unmittelbare Abstimmung mit den Lernenden über Themen und Inhalte ist hier nicht einfach möglich. Das heißt, digitale Lernangebote ersetzen den gemeinsamen Lernraum, Aufgaben werden erstellt (oder ausgewählt), verschickt und beantwortet. Die Kommunikationswege sind nicht mehr polylogisch – Lernende sind also nicht mehr Hörende und Sprechende zugleich, sondern sie befinden sich zumeist in monologischen Einbahnstraßen mit den Lehrenden.

 

Wir denken, eine weitere große Herausforderung ist die Verständlichkeit der Aufgabenstellungen selber, wenn Kontextualisierung und gemeinsame Erarbeitung von Lerninhalten und Themen wegfällt. Es ist so, als würde nur ein Skelett von Aufgaben übrigbleiben, allerdings hat sich der Körper – sinnvolle Didaktisierung und Erarbeiten von Inhalten – dabei aufgelöst. Lehrenden fehlt die Resonanz des gemeinsamen Raums und der Dialog mit den Lernenden. Wir nehmen an, dass die Lernenden die sozialen Beziehungen, das Lernen und gemeinsame „Tun“ in der Kursgruppe vermissen, in Kleingruppen und in Paaren. Nachfragen und Reflektieren sind nur sehr beschränkt möglich. Verstehen und Verständlichkeit sind in diesem „körper-losen“ Raum von unterschiedlichen Sprachkenntnissen beschränkt.

 

Wie können Aufgaben so formuliert werden, dass Lernende, die noch wenig Deutsch verstehen, sie nachvollziehen können? Wie gut können Lernende bereits Deutsch lesen oder mündliche Aufgabenstellungen auf Deutsch verstehen? Können Möglichkeiten des Nachfragens bedacht werden? Das sind Fragen, die sich stellen.

Wie verändert sich das Lehren und Lernen?

Es muss genauer gefragt werden, WAS und WIE hier Lernen ermöglicht wird. Das ist die größte Herausforderung. Überspitzt formuliert nehmen die digitalen Geräte und die Aufgaben, die verschickt werden, den Platz der Lehrenden ein. Was grundsätzlich verloren geht, sind die sozialen Beziehungen, die ein wichtiger Teil des (gemeinsamen) Lernprozesses sind. Der Kommunikation in und mit einer Gruppe ist jetzt eine ent-körperlichte Kommunikation gewichen, die von den Lehrenden meist frontal ist. Viele Lernende verfügen nicht über die Möglichkeiten oder das Wissen um beispielsweise an Videokonferenzen teilzunehmen. Die in der Kurssituation intensiven sozialen Beziehungen sowohl zwischen den Lernenden als auch zwischen Lehrenden und Lernenden fehlen. Telefonieren oder E-Mails sind ein Ersatz, aber auch nur ein Ersatz. Lernende sind ebenso voneinander getrennt und das so zentrale Element von gemeinsamen Lernen, Nachfragen und Reflektieren ist vom Lerngeschehen losgelöst. Gelernt wird isoliert und in Feedback-Szenarien mit den Lehrenden. Feedback kann die Dynamik eines gemeinsamen Austausches zu einem Thema nicht ersetzen. Feedback fokussiert eine konkrete Situation, eine bestimmte Aufgabe – Feedback beurteilt hier Einzelne.

Das klingt herausfordernd. Was hat sich noch verändert?

Welche Formen von Aufgaben hier verschickt werden, ist eine der Fragen, die uns am meisten beschäftigt. Wie offen können diese Aufgaben sein? Oder geht es in den digitalen Lernangeboten mehr um ein Abfragen, Prüfen und Testen, um Ausfüllübungen und LearningApps?

 

Was relativ leicht möglich ist, ist Unterrichten als „Einbahnstraße“; Aufgaben erstellen, auswählen und verschicken und die Bearbeitungen wieder empfangen. Wir haben die Sorge, dass viele Aufgabenformate auf ein Prüfen und Testen hinauslaufen. So wie das bei vielen LearningApps etwa der Fall ist und eine Frage genau nur eine richtige Antwort kennt. Wenn Antworten sinngemäß richtig sind, aber die Orthografie nicht korrekt, werden die Antworten als „falsch“ ge- und bewertet. LearningApps sind gemeinhin so konzipiert, dass sie nur eine richtige Antwort kennen, ergebnisorientiert sind und interessante Denk- und Lösungswege nicht nachvollziehen können.

 

Außerdem halten wir eine Thematisierung und ein Bewusstsein von dem, was alles nicht gelernt werden kann in diesem digitalen Szenario für wichtig. Kann beispielsweise Leseverstehen in dieser Situation vermittelt oder nur abgeprüft werden? Können Strategien zur Selbstkorrektur von Texten vermittelt, Hörverstehen gemeinsam erarbeitet werden? usw.

Was sind die Situationen, mit denen Lehrende im Moment umgehen?

Grundsätzlich machen wir (auch als Lehrende) die Erfahrung, dass Arbeiten in dieser kleingeschrumpften Form auf ein Display – technisch und formal gesehen – äußerst anstrengend ist. Die Lernenden, mit denen wir zu tun haben, verfügen (meistens) über Smartphones, auch wenn es nicht ihre eigenen sind, aber nicht über Laptops oder PCs. Fotografierte Seiten, die für die Aufgaben“erkennung“ immer so verschoben werden müssen, dass sich aus dem Puzzle der kleinen Teile ein ganzes Bild ergibt, um dann die Aufgabenstellungen daraus zu lesen und zu erfassen, ist eine mühselige Angelegenheit.

 

Der Aufwand für die Lehrenden ist enorm, sofern er über eine einfache Korrektur und Einteilung in richtig oder falsch hinausgeht. Sobald man versucht, einzelnen Lernenden zu erklären, warum korrigiert wurde und wie und warum ein anderer Lösungsweg zu beschreiten ist, verschlingt das viel Zeit, in der andere Lernende schon wieder Fragen oder fertige Aufgaben geschickt haben und sich eine möglichst schnelle Reaktion seitens der Lehrenden erwarten. Auch die zeitliche Ent-grenzung ist ein Phänomen dieser digitalen Lernangebote.

 

Eine Frage, die im Zusammenhang mit digitalen Lernangeboten oft nicht gestellt wird, ist die nach der Verwendung von den Tools, die hier genutzt werden. Welche Instant-Messanger-Dienste, welche Videokonferenzdienste werden hier verwendet? Können wir es im Sinne des Datenschutzes verantworten?

 

Unsere Lernenden können oft nicht auf Mails antworten, schreiben ihre Antworten in die Betreffzeile, weil sie nicht wissen, wie sie ins Textfeld kommen, können keine Anhänge hinzufügen. Bedenklich ist, dass in solchen Krisenzeiten die Regeln des Datenschutzes oft gelockert werden – oder vielleicht auch müssen. Aufgrund der eingeschränkten digitalen Möglichkeiten unserer Lernenden muss teilweise auf Kommunikationskanäle wie WhatsApp zurückgegriffen werden, was nicht den Datenschutzvereinbarung entspricht, die Lernende zu Kursantritt unterschrieben haben.

Wie gehen die Teilnehmenden mit der Situation um?

Grundsätzlich ist die Situation zum Lernen denkbar ungünstig. Nachdem alles auf die eigenen vier Wände geschrumpft ist, sind Ruhe und ausreichend Platz zum Lernen wohl eher die Ausnahme und die Bewältigung des Alltags auf (meist beengtem) Wohnraum, ökonomische Sorgen und Existenzplagen schon für sich genommen eine Herausforderung, an der man – überspitzt formuliert – eigentlich nur scheitern kann. Es hat sich in unseren Maßnahmen gezeigt, dass Lernende, die in Verhältnissen wohnen, die von sozialen Diskrepanzen und Konflikten geprägt sind, schwerer zu erreichen sind, als andere, da ihnen die Möglichkeit fehlt, sich räumlich und zeitlich abzugrenzen. Der Kursraum bietet einen geschützten Rahmen, um sich aufs Lernen konzentrieren zu können. Alternativen im öffentlichen Raum wie Büchereien fallen in der momentanen Situation ebenfalls weg. Dazu kommt noch die Verunsicherung durch die Corona-Situation selber, mangelnde Informationen in den Erstsprachen über sich schnell ändernde Verhaltensregeln und –gebote und die Angst, sich nicht richtig zu verhalten, prägen das Bewusstsein.

 

Wir sind beeindruckt, wie konsequent der Großteil der Lernenden sich ein kleines Stück Zeit aus dem Alltag nimmt, Texte schreibt, Hörtexte hört, Kommunikation und Lernen aufrecht zu erhalten vermag. Um Lernen zu können, werden Familienmitglieder und Nachbar*innen mobilisiert, die helfen, Mailadressen einzurichten und Apps downzuloaden. Die Motivation und das Engagement vieler ist großartig. Fraglich ist, wie lange dies anhalten kann.

Wie wird es weiter gehen?

Es zeigt sich bereits, dass sich Lernende (und Lehrende) auf das Wiederaufnehmen von Präsenzunterricht unter den gegebenen Vorsichtsmaßnahmen freuen. Es ist anzunehmen, dass uns nicht nur die Reflektion des Distance-Learning weiter beschäftigen wird, sondern auch die Frage nach den digitalen Fertigkeiten (auf Seiten der Lehrenden und Lernenden) sowie die Herausforderung von didaktisch sinnvollen Angeboten. Lernangebote in der Basisbildung werden sich verändern.

 

Gerhild Ganglbauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im AlfaZentrum für MigrantInnen/ lernraum.wien mit dem Schwerpunkt Alphabetisierung/Basisbildung und Deutsch als Zweitsprache. Außerdem ist sie Basisbildnerin bei Miteinander Lernen/Birlikte Öğrenelim.

 

„Ignorieren Sie das einfach“: Wie rassistisch eine Psychotherapie für People of Color sein kann

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Rassismus kann Traumata auslösen. Zu seinen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit wurde aber bisher kaum geforscht. Das hat Folgen: Von Therapeut*innen werden Betroffene oft nicht ernst genommen.

Als Lida * vom Selbstmord eines Freundes erfährt, kann sie nicht mehr schlafen, nicht mehr denken, nicht mehr die Wohnung verlassen. Nach einem Aufenthalt im Krisenzentrum bekommt die Afghanin einen Therapieplatz. Mit ihrer Psychotherapeutin macht Lida Fortschritte – bis ihr Leben im Februar 2020 erneut aus den Fugen gerissen wird: Am 19. Februar ermordet ein rechtsextremer Terrorist neun Menschen in zwei Shishabars in der hessischen Stadt Hanau. In der Nacht kann Lida nun wieder nicht schlafen. „Ich sehe aus wie die Opfer. Ich halte mich an denselben Orten auf wie sie“, sagt sie. „Ich habe Angst um meine Schwester. Ich habe Angst, dass uns dasselbe passiert.“

Wenig Verständnis von Therapeut*innen

Aber als Lida darüber mit ihrer Therapeutin sprechen will, wehrt diese ab. „Sie hat mir gesagt, ich solle mich da nicht so reinsteigern. Man könne schließlich auch auf der Straße überfallen werden.“ Schon zuvor hatte Lida ihrer Therapeutin erzählt, dass sie sich als nicht weiße Frau an ihrem Ausbildungsplatz nicht wohlfühlt – die Therapeutin hat es als Übertreibung abgetan. „Ich war richtig verzweifelt. Wenn ich hier nicht darüber reden kann, wo dann?“, sagt Lida.

Die WIENERIN hat in den vergangenen Wochen mit Schwarzen Menschen und People of Color über ihre Therapieerfahrungen gesprochen. Sie haben Eltern, die im Ausland geboren sind, sind geflüchtet oder in Österreich auf die Welt gekommen und aufgewachsen. Sie alle haben der WIENERIN im Gespräch ähnliche Erfahrungen geschildert:

„Mir wurde gesagt, dass ich mich nicht über Rassismus aufregen solle, weil ich eh sehr hell sei.“
„Ich bekam oft zu hören: ‚Es ist immer sehr angenehm, sich als Opfer zu sehen!'“
„Als ich erzählt habe, dass ich an der Supermarktkassa mit dem N-Wort beschimpft wurde, war die Reaktion meiner Therapeutin: ‚Warum können Sie das nicht einfach ignorieren?'“

Es soll in dieser Geschichte nicht darum gehen, einzelne TherapeutInnen anzuklagen. Das Problem beginnt nicht bei ihnen. Es liegt in einem Gesundheitswesen, in dem Weißsein die Norm darstellt und der Schmerz von nicht weißen Menschen systematisch ausgeblendet wird – in der Forschung, in Lehrbüchern und an Ausbildungseinrichtungen.

Weiß und Schwarz beschreiben keine biologische Eigenschaft wie die Hauptpigmentierung, sondern Privilegien bzw. Diskriminierungen aufgrund gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Um das im Sinn einer diskriminierungssensiblen Sprache deutlich zu machen, wird weiß kursiv gesetzt und Schwarz mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben.

Die meisten Psychotherapeut*innen sind: WEISS

Wer in Österreich psychische Unterstützung sucht, der wird in den meisten Fällen bei weißen Psychotherapeut*innen und Psycholog*innen landen. Es gibt keine Statistiken darüber, wie viele nicht weiße Therapeut*innen es in Österreich gibt. Man kann sich der Zahl aber annähern. So sprechen etwa weniger als ein Prozent aller Therapeut*innen in Wien Türkisch oder Bosnisch; außerhalb von Wien sind es noch weniger. Auch die Vorsitzende des Wiener Landesverbands für Psychotherapie, Leonore Lerch, schätzt den Anteil an Psychotherapeut*innen of Color in Österreich als gering ein: „Es ist natürlich auch eine Frage der Selbstbezeichnung. Aber ich kenne in Wien nur eine Handvoll andere Schwarze Kollegen.“

Lerch ist Schwarze Psychothera­peutin und beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Diversität, Intersektionalität und Rassismus in der Psychotherapie. Sie sagt: Es gibt nicht nur zu wenige Therapeut*innen of Color, sondern auch zu wenig Auseinandersetzung mit Rassismus und seinen Auswirkungen auf die Psyche.

Zu rassistischer Diskriminierung und ihren Folgen wurde im deutschsprachigen Raum bisher kaum geforscht. „Der Fokus liegt eher auf Stressfaktoren infolge von Migration und weniger auf Diskriminierungserfahrungen“, sagt Lerch. In der internationalen Forschung gilt Rassismus inzwischen als ein wesentlicher Faktor für die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit: Der Psychologieprofessor Robert T. Carter entwickelte anhand seiner Studien das Modell des „Race-based Traumatic Stress“. Es besagt, dass einzelne rassistische Ereignisse nicht traumatisierend wirken müssen – in Summe können sie aber zu einer traumatisierenden Gesamtbelastung führen.

Symptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Magenschmerzen können mit den Rassismus­erfahrungen der Patient*innen zusammenhängen.

Rassismus kann ein Trauma sein

„Rassistische Diskriminierung wird daher oft nicht als Trauma wahrgenommen“, sagt Lerch. Auch in ihre Praxis kommen immer wieder Menschen mit Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Magenschmerzen. Im Gespräch stellt Lerch oft fest, dass diese Symp­tome mit den Rassismuserfahrungen ihrer Patien­tInnen zusammenhängen. „Dazu muss man aber wissen, dass Rassismuserfahrungen Stress aus­lösen und sich negativ auf die Gesundheit auswirken“, sagt sie. „Ansonsten kann das zu falschen ­Diagnosen führen.“ Deutsche Therapeut*innen haben 2019 den Verbund Rassismuskritische Psychotherapie, Psychologie und Beratung gegründet, bei dem auch Lerch mitwirkt. In Österreich steht die Diskussion über rassismuskritische Psychotherapie noch am Anfang.

„Es gibt schon Angebote, aber viel zu wenig“, sagt Linda Acıkalın. Sie ist Psychotherapeutin bei Miteinander Lernen – Birlikte Ögrenelim. Seit 1993 bietet der Verein Psychotherapie in türkischer Sprache an; Rassismus ist ein zentraler Therapieinhalt. „Für fast alle unserer Klientinnen und Klienten ist das ein großes Thema“, sagt Acıkalın. Die Wartezeit für ein Erstgespräch beträgt derzeit zwei Monate. Auch die Psychologin Parissima Taheri-Maynard sieht großen Bedarf. „Mir hat das selbst sehr gefehlt“, sagt sie. Taheri-Maynard hat sich auf Minority Health spezialisiert und veranstaltet seit zwei Jahren Workshops zu psychischer Gesundheit für Schwarze Menschen und People of Color in Wien.

Mikroaggressionen sind wie Mückenstiche: Einer ist nicht schlimm – wer aber jeden Tag mehrmals gestochen wird, wird das Jucken nicht aushalten.

Nur weil es keine Beleidigung ist, ist es trotzdem Rassismus

Leonore Lerch, Parissima Taheri-Maynard und Linda Acıkalın, sie alle erzählen, dass viele ihrer Klient*innen zuvor schlechte Erfahrungen mit anderen Therapeut*innen gemacht haben. Auch bei der Beschwerdestelle des Wiener Landesverbands für Psychotherapie gibt es Meldungen über als rassistisch erlebtes Verhalten seitens der Therapeut*innen. Man darf sich da­runter keine beabsichtigten Beleidigungen vorstellen. Vielmehr, so Lerch, seien es die vielen kleinen unreflektierten Äußerungen, die Therapeut*innen tätigen und damit ihre Patient*innen verletzen. „Fast niemand wird absprechen, dass es sich um eine Traumatisierung handelt, wenn eine Schwarze Person beschimpft oder womöglich geschlagen wird“, sagt Lerch. Wenn Patient*innen aber von den kleinen Alltagsrassismen erzählen, dann werden diese Erfahrungen oft bagatellisiert. Auch die Menschen, mit denen sie arbeite, sagt Taheri-Maynard, würden das oft so erleben: „Dass Therapeutinnen und Therapeuten Rassismuserfahrungen absprechen, kommt häufig vor.“

Für ihre Patient*innen hat das Folgen: Für Schwarze Menschen und People of Color ist der Alltag ein niemals endender Spießrutenlauf aus winzigen übergriffigen Handlungen und Äußerungen. Wissenschaftler*innen nennen diese kleinen Verletzungen Mikroaggressionen. Man kann sie sich vorstellen wie Mückenstiche: Wer nur hie und da gestochen wird, der wird sie kaum wahrnehmen und auch nicht schlimm finden. Wer aber mehrmals täglich, Tag für Tag, einen Stich erlebt, für den wird das Jucken schnell nicht mehr auszuhalten sein. Die Therapie, sie sollte ein Ort ohne Mücken sein. „Wir müssen im Alltag ständig erklären, wenn uns etwas verletzt. Und meistens wird uns nicht geglaubt“, sagt Taheri-Maynard. „Es ist sehr problematisch, wenn sich das auch in der Therapie fortsetzt, weil es die Wirklichkeit der Betroffenen infrage stellt.“ Das Absprechen der eigenen Wahrnehmung ist es auch, was Lida zu schaffen machte: „Ich bin mit Schuldgefühlen heimgegangen und habe mich gefragt: Bilde ich mir das alles nur ein?“

Machtgefälle als Teil der Psychotherapie-Ausbildung

Die Psychologin Grada Kilomba schreibt: Dass wir die Traumata von People of Color nicht als solche benennen, liegt daran, dass die Geschichte der rassistischen Unterdrückung und ihre psychologische Auswirkung innerhalb des westlichen Diskurses bisher vernachlässigt wurden. Auch heute sei das noch so.

An Österreichs größter psychologischer Fakultät, der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien, gibt es im Bachelor- und Masterstudium jeweils nur eine Lehrveranstaltung, die sich mit Macht und Ungleichheit auseinandersetzt. Welchen Stellenwert die Auseinandersetzung mit Rassismus in der Psychotherapieausbildung in Österreich einnimmt, ist schwer zu beurteilen – über 60 Einrichtungen dürfen Ausbildungen zum Psychotherapeuten bzw. zur Psychotherapeutin anbieten. Das Gesundheitsministerium gibt dafür grobe Mindestbestimmungen vor; als expliziter Lehrinhalt werden rassismuskritische Perspektiven da­rin nicht genannt.

„Es wäre wichtig, dass gerade Psychotherapeuten ihre eigene Positionierung in der Gesellschaft, die eigene Privilegierung, aber auch Diskriminierungserfahrungen reflektieren“, sagt Lerch. Im nächsten Jahr wird sie eine Fortbildung zu rassismuskritischer Psychotherapie anbieten – die erste dieser Art in Österreich. Für Taheri-Maynard steht fest: „Wir sollten uns fragen: Mit wem wollen Menschen in vulnerablen Situationen reden? Und dann müssen wir diese Personen in die richtigen Positionen bekommen.“ Weil es nicht genügend TherapeutInnen of Color gibt, würden viele erst gar keine Hilfe in Anspruch nehmen. „Auch wenn eine weiße Therapeutin vielleicht gleich gut helfen könnte: Wir werden es nie wissen, weil sich viele erst gar nicht trauen, hinzugehen.“

Lida spricht mit ihrer Therapeutin inzwischen nicht mehr über ihre Rassismuserfahrungen. „Ich habe mich danach jedes Mal nur noch schlechter gefühlt“, sagt sie. Seit einiger Zeit besucht Lida Treffen, die Taheri-Maynard für Schwarze Menschen und People of Color veranstaltet. „Es gibt mir Sicherheit, zu wissen: Ich kann dort hingehen und werde verstanden.“

„Er hat mich geschlagen, jeden Tag …“Der Verein „Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim“ möchte das ändern.

Presse-Artikel

„Er hat mich geschlagen, jeden Tag …“

Mangelnde Sprachkenntnisse und finanzielle Abhängigkeit – türkische Migrantinnen können Gewalt in der Familie nur schwer entkommen. Der Verein „Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim“ möchte das ändern.

Kaum fällt die Tür ins Schloss, geht es wieder los. Der Wohnungsschlüssel klimpert noch in ÇZs Hand, als ihr Mann den Gürtel aus seinen Jeans zieht. Er bäumt sich über ihr auf. Sie schrumpft zusammen. Er schlägt zu. Immer wieder. Immer fester. Sie trägt nur eine dünne Strickweste. Das Leder hinterlässt blutige Striemen auf ihren Armen. Irgendwann werden die Schläge langsamer. Hören auf.

ÇZ stammt aus der Türkei und ist 45 Jahre alt. Häusliche Gewalt betrifft unabhängig von Nationalität und Alter alle Gesellschaftsschichten. Das zeigt die Auswertung der Morddelikte im Jahr 2017: 28 von 36 Mordopfern waren Österreicherinnen, vier EU-Bürgerinnen und vier kamen aus Drittstaaten. Die Gewalt an Frauen nimmt nach einem Abwärtstrend vor fünf Jahren wieder zu: Im gesamten Jahr 2014 wurden 19 Frauen ermordet. Dieses Jahr waren es bereits bis zum Juli 19 Opfer.

Nach Informationen der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser ist in Österreich eine von fünf Frauen sexueller oder körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Die Kriminalstatistik 2017 verzeichnete 9334 „Delikte gegen Leib und Leben“ in österreichischen Familien. Die Polizei schätzt, dass 90 Prozent der Gewalttaten innerhalb der Familie und des nahen sozialen Umfelds stattfinden. „In Österreich spielt häusliche Gewalt immer noch eine große Rolle. Sie tritt in all ihren Formen auf: Wenn es nicht die physische ist, ist es die psychische, wenn es nicht die psychische ist, ist es die ökonomische“, sagt die Psychotherapeutin Linda Acikalin. Seit eineinhalb Jahren behandelt sie beim Verein Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim vorwiegend türkische Migrantinnen. Neben Psychotherapie bietet der Verein auch Deutschkurse und Frauenberatungen an.

Schweigen. ÇZs Vater arrangiert die Ehe, für die sie von der Türkei nach Wien zieht. Am 15. September 1996 heiratet sie Bayar. In der Hochzeitsnacht gibt es zwar Sex, aber kein Blut auf dem Bettlaken. ÇZ sei keine Jungfrau mehr, schließt Bayar und schlägt zu. Als ÇZ schwanger wird, schreit er: „Wessen Bastard ist das?“ Und schlägt weiter, dieses Mal auf ihren Bauch.

ÇZs Hochzeit ist mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her. Nach Schätzungen des Integrationsfonds lebten aber auch 2018 noch rund 5000 Frauen österreichweit in Zwangsehen. Der Verein Orient Express geht von einer Dunkelziffer von 200 betroffenen oder bedrohten Frauen jährlich aus. Die Zwangsheirat sei dem Verein zufolge nicht auf den Islam beschränkt, auch unter katholischen Roma gäbe es Fälle. Die meisten Betroffenen seien österreichische Staatsbürger.

Reden. „Er hat mich geschlagen. Jeden Tag.“ Heute kann ÇZ ihre Geschichte auf Deutsch erzählen. Damals sprach sie nur Türkisch: ÇZ wollte Deutsch lernen, aber Bayar stand zwischen ihr und den Büchern. „Wo sollen wir lernen? Beim Kochen? Beim Putzen? Beim türkisch Fernschauen?“, sagt ÇZ heute schnaubend. „Ohne Deutsch kann man nicht einmal Hilfe holen.“

Frauenberaterin Ayşe Aktuna vom Verein Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim spricht auch Türkisch. „Viele Frauen wissen nicht, welche Möglichkeiten sie in dieser Gesellschaft haben. Es fehlen Informationen.“ Informationsmaterial ist meistens nur auf Deutsch verfügbar. Verpflichtende Deutschkurse in den ersten Monaten helfen – aber nur bedingt. Viele können sich während der ersten Zeit im neuen Land nicht konzentrieren. ÇZ spricht aus Erfahrung: „Am Anfang gibt es für Frauen nur Druck. Druck in der Familie. Druck beim Lernen. Das funktioniert nicht.“

Wenige Türen neben dem Büro der Frauenberaterin Aktuna lernen aus der Türkei stammende Frauen im kostenlosen Basisbildungskurs Deutsch. Zehn Frauen mit und ohne Kopftuch sitzen in einem U rund um das Lehrerpult. Sie besprechen die letzte Hausübung. Der Reihe nach nennen sie ihre Antwort, haken Richtiges ab und kreuzen Falsches durch. Keiner tuschelt. Niemand tratscht. Wenn jemand lacht, lachen alle. Sie treffen sich zweimal die Woche und arbeiten ohne Druck in ihrem eigenen Tempo.

Verstehen. In der sechsten Schwangerschaftswoche hat ÇZ mit hormonellen Schwankungen zu kämpfen. Sie wird depressiv. Die Ärzte verschreiben ihr ein Psychopharmaka nach dem anderen, aber nichts hilft. Eine Gesprächstherapie kommt nicht infrage: Bis zu 100 Euro kostet eine Stunde. Das kann sich die Familie nicht leisten.

15 Jahre später, im Jahr 2013, vermittelt eine Klinikpsychologin ÇZ an Judith Hanser, die Gründerin von Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim. Heute wird sie dort gratis behandelt. Bei Linda Acikalin kostet eine Stunde Psychotherapie normalerweise 60 Euro. Davon übernimmt die Krankenkasse knapp die Hälfte. Wer sich das nicht leisten kann, zahlt einen Spezialtarif. „Vor allem bei chronischen Erkrankungen und Menschen in prekären Zuständen, also zum Beispiel bei Krebspatientinnen, arbeite ich auch kostenlos“, erklärt die Therapeutin. Sie spricht mit ihren Klientinnen auch auf Türkisch. Das sei auch für Frauen wichtig, die fließend Deutsch sprechen, meint ÇZ. „Jeder Mensch kann sich besser in seiner Muttersprache ausdrücken.“

Flüchten. Sieben Jahre dauert es, bis ÇZ Hilfe holt. „Ich war schwach. Und müde. Lebensmüde. Ich habe keine Kraft gehabt.“ 2003 bekommt ÇZ ein neues Antidepressivum. Sie sieht das erste Mal seit Jahren wieder klar. Als ihr Mann erneut zuschlagen möchte, packt sie ihren Sohn und flüchtet.

ÇZ wendet sich an die Frauenberatungsstelle Orientexpress. Knapp 15.650 Frauen und Mädchen suchten 2017 Hilfe bei solchen Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen. Frauenberaterin Ayşe Aktuna von Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim hat im Vorjahr 490 Frauen beraten. Sie vermittelt zwischen Opfern, Interventionsstelle und Behörde, organisiert für Frauen wie ÇZ einen Platz im Frauenhaus und begleitet sie zum Gericht. Vor allem zeigt sie ihnen aber, wie es geht, auf eigenen Beinen zu stehen.

 

Weiterklettern. Unter dem Saum von ÇZs Kopftuch stehen einzelne graumelierte Kringellocken hervor. Statt Augenbrauen hat sie sich zwei dünne Striche aufgemalt. Ihre braunen Augen sind groß. Wimpern hat sie keine.

Seit 2012 hat ÇZ Brustkrebs. Die Krankheit ist hart, aber ÇZ hat schon viel überlebt. Sie hat ihren Sohn alleine aufgezogen, Deutsch gelernt, den Hauptschulabschluss nachgeholt und bei der Volkshilfe gearbeitet. „Ich bin so wie eine Katze, die auf den Baum des Lebens klettert. Ich falle immer wieder hinunter. Aber ich versuche weiter zu klettern.“

Linda Acikalin und Ayşe Aktuna von Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim helfen ÇZ dabei. Aber auch sie fallen immer wieder vom Baum. Rund eine Million Euro wollte die blau-schwarze Regierung im Vorjahr österreichweit bei der Familienberatung einsparen. Der Dachverband für Familienberatung hat die Einsparung auf 500.000 Euro hinuntergehandelt. Ein schwacher Trost. Acikalin blickt besorgt in die Zukunft: „Dass finanzielle Mittel knapp sind, das war immer ein Thema. Aber die Finanzierungsfrage wird immer schwieriger. Wir wollen uns um unsere Arbeit kümmern, nicht um die Frage, ob wir die nächsten fünf Jahre finanziell überhaupt überleben.“

Auch ÇZ hat Geldsorgen. Sie zieht einen Schlussstrich. „Ich werde in die Türkei zurückgehen. Mit 910 Euro kann man in Österreich nicht leben.“ ÇZ zieht zu ihren Eltern. 910 Euro sind in der Türkei viel Geld. Das bringt Unabhängigkeit. „Wissen Sie: Geld ist gleich Freiheit“, sagt sie.

 

 

bezirksaward

Bezirksaward 2019

Wir wurden für unser langjähriges soziales Engagement ausgezeichnet. Den Preis Bezirksaward durften wir vom Herrn Bürgermeister Michael Ludwig und vom Herrn Bezirksvorsteher Franz Prokop am 13.09.2019 beim Ottakringer Kirtag entgegennehmen. Wir freuen uns sehr und bedanken uns für die Anerkennung!

Einladung Goodball 2019

TANZEN FÜR KOHLE – TANZEN FÜR MITEINANDER LERNEN

am Freitag, den 25. Jänner 2019 fand der 5. GoodBall statt. Eine gute Alternative zum Akademikerball. Goodball möchte Menschen besonderen Respekt zollen, die sich für Zivilcourage und eine rassismusfreie Gesellschaft in Österreich sowie für MigrantInnen einsetzen und deren Arbeit finanziell unterstützen. Dieses Jahr ging der Reinerlös der Veranstaltung  auch an den Verein Miteinander Lernen.
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Getanzt wurde im fluc (oben), Praterstern 5, 1020 Wien!

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DOORS open ab 21 Uhr
LIVE ab 22:00 Uhr:

22h Mary Broadcast
https://www.marybroadcast.com/

22h30 Stephan Stanzel (A Life A Song A Cigarette)

23h Neuschnee
https://neuschneemusik.org/

0h15 Mitternachtseinlage: Blockflötengewitter
https://www.facebook.com/blockfloetengewitter/

0h30 ERiKA aus Hamburg
https://www.facebook.com/ErikaBandHamburg/

1h15 Tombola

1h45 DJ Flow the Slow (Susiklub)

Zwischen den Acts hatten wir Gäste auf der Bühne, die uns Einblicke in ihre Arbeit mit MigrantInnen und für eine rassismusfreie Gesellschaft gaben.

Preisverleihung bei ESRA

Dr. Alexander Friedmannpreis 2018 geht an Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim!

Feierlichen Verleihung des 10. Dr. Alexander Friedmann Preises 2018

Datum: Montag, 10.12.2018

Uhrzeit: 19:30 Uhr

Ort: Psychosoziales Zentrum ESRA (Tempelgasse 5, 1020 Wien)

Um Anmeldung wird gebeten!

online unter www.esra.at

telefonisch unter (01) 214 90 14

per Email an info(at)esra.at.

Bitte bringen Sie einen amtlichen Lichtbildausweis mit.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

ACHTUNG VERSCHOBEN! Benefizkonzert für 35 Jahre Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim

 

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer!

Unser für Dezember angekündigtes Benefizkonzert: 35 Jahre Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim wird auf das Jahr 2019 verschoben!

Zeit und Ort werden Euch/Ihnen rechtzeitig bekannt gegeben.

Wir freuen uns schon auf das gemeinsame Feiern!

Das Team von Miteinander Lernen – Birlikte Öğrenelim